Metso implementiert Lean-Methode in F&E: kundenorientierte Ergebnisse in kürzerer Zeit

Mit dem Konstruktionsprozess des intelligenten Ventil-Stellungsreglers Neles NDX nahm Metso den Lean-Gedanken auf und realisierte ihn erfolgreich im Bereich Forschung & Entwicklung, um das neue Produkt auf den Markt zu bringen – und dies rund eineinhalb Jahre früher als mit traditionellen Entwicklungsmethoden.

Metso setzt bereits seit langem Maßstäbe, was den Einsatz von Lean-Prozessen in der Produktion betrifft. Das Unternehmen wollte nun die in der Fabrikhalle erlernten, effizienten Arbeitsweisen in vergleichbarer Art und Weise in der Büroumgebung implementieren.

Wissen, was der Kunde braucht

„Die erfolgreiche Anwendung des Lean-Modells in einem F&E-Projekt erfordert Disziplin und große Offenheit für kooperative Arbeitsweisen. Sie müssen klare Ziele und ein stetiges Marschtempo abstecken“, erklärt Kalle Suurpää, Director Neles Smart Product, Flow Control bei Metso. „Die Idee besteht nicht nur darin, Produkte schneller auf den Markt zu bringen, sondern auch die Wartezeit der Kunden auf eine Lösung, die sie brauchen, zu verkürzen. Deshalb sollten Fragen an Kunden zu deren Bedürfnissen immer der erste Schritt in der Produktentwicklung sein.“

Die Entwicklung des NDX Ventil-Stellungsreglers war das erste Projekt, bei dem Metso das Lean-Prinzip im Bereich F&E anwandte. „Aufgrund des Inputs, den wir durch Gespräche und Feedback von unseren Vertriebsmitarbeitern erhalten haben, entstand ein klares Bild von der Art des Produkts, das wir am Ende des Projekts sehen wollten. Neben den Einsparungen, nach denen heutzutage jeder sucht, wies uns der Kunden-Input auf die Entwicklung von Lösungen hin, mit denen Installation, Inbetriebnahme und Bedienung einfacher und intuitiver sein sollten als je zuvor und das unabhängig von der eingesetzten Ventilart und dem Ventilhersteller.“

Tempo halten ist Teamarbeit

Der Lean-Ansatz führte zu zahlreichen Veränderungen in der Arbeitsweise des F&E-Teams. Aus der aktiven Beteiligung und Kooperation sowie dem offenen Dialog zwischen allen Abteilungen – von der Mechanik und Software bis zu externen Partnern, Vertriebsmitarbeitern und Kunden – ergaben sich eine Reihe von Synergieeffekten. Die neu eingeführten 3-Wochen-Sprint-Zyklen halfen, den Schwung auf ganzer Linie beizubehalten und die erzielten Fortschritte bei den regelmäßigen Projektteamsitzungen zu präsentieren. Neue visuelle Tools für das Projektmanagement boten zudem einen konstanten und aktuellen Überblick über den Projektstatus.

Das Ändern der Herangehensweise an Produktentwicklungsprozesse ist keine leichte Aufgabe. Nicht nur Prozesse müssen geändert, sondern auch Einstellungen angepasst werden. Für Menschen, die stolz auf ihre Detailverliebtheit und Perfektion sind, war es nicht einfach, eine im Fortschritt befindliche, noch unvollendete Arbeit auf den Tisch zu legen, damit sie in regelmäßigen Abständen von allen betrachtet werden konnte. Allerdings boten die wöchentlichen Sitzungen der Teams und Interessensgruppen, die nach jedem der dreiwöchigen Sprint-Zyklen gehalten wurden, die Möglichkeit, Korrekturen einzuleiten und Feinabstimmungen vorzunehmen. Die Festlegung einer begrenzten Anzahl von erreichbaren Zielen über eine kürzere Zeit bewährte sich ebenfalls als eine motivierende Arbeitsweise.

Die Auswahl des richtigen Werkzeugs

Kalle Suurpää erinnert daran, dass die Modifikationen in einer so wichtigen Funktion wie F&E nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollten. „Positive Veränderung kann nur erreicht werden, wenn man zuerst einmal weiß, was geändert werden muss. Es ist sinnlos, eine Neuerung der Arbeitsweise zu erzwingen, damit ein bestimmtes neues Werkzeug passt. Ganz im Gegenteil. Nur wenn Sie wissen, was Sie erreichen müssen, können Sie die Werkzeuge erkennen und entwickeln, um die gewünschte Änderung zu realisieren.“

Ein Beispiel für diese Tools sind die neuen, optisch ansprechenden, digitalen Projekt-Management-Plattformen, die in Betrieb genommen wurden. Das Konstruktionsteam begann mit Post-it-Zetteln an der Wand, die für sie gut funktionierten, und ging dann über zu etwas Vergleichbarem, aber mit zusätzlichen Vorteilen bzgl. Sicherheit und Fernzugriff. Obwohl sie damit in der digitalen Welt angekommen sind, befindet sich ihr Projektboard physisch immer noch im Projektraum, allerdings jetzt auf einem großen Touchscreen, der ihnen das gleiche taktile und lohnende Gefühl der Aufgabenverschiebung vom Status „in Arbeit“ hin zu „fertig“ gibt. Außerdem hat nachwievor jeder im Raum die Möglichkeit, den gesamten Projektstatus auf einen Blick zu sehen.

Kalle Pokki, Metso‘s Chefingenieur Firmware, erläutert, dass umfangreiche Tests ein weiteres Thema sind. Sie erforderten viel Zeit und führten in der Vergangenheit immer wieder zu Terminverschiebungen. „Wir wollten unsere Testfähigkeiten so automatisieren, dass wir uns auf mehr kreative Problemlösungen konzentrieren und den Produktentwicklungsprozess beschleunigen konnten“, sagt Kalle Pokki. „Jetzt sind wir in der Lage, zahlreiche parallele Tests und Simulationen über Nacht zu fahren und mit der Analyse der Ergebnisse gleich morgens zu beginnen.“ Diese Steigerung des Automatisierungsgrades bei Produkttests gilt als eine der Hauptursachen für reduziertes Time-to-Market.


Das NDX Lean-Projekt – perfektionierte Performance

Der komplett neue Neles NDX Ventil-Stellungsregler verspricht perfektionierte Performance. „Es ist eine mutige Aussage, aber eine, die wir mit Stolz treffen können.“ Kalle Suurpää fasst die Entwicklung zusammen: „Es ist ein Produkt, das genau auf dem basiert, was unsere Kunden verlangt haben, kombiniert mit über 50 Jahren unternehmenseigenen Erfahrungen. Ausgehend von Kundenaussagen haben wir den Stellungsregler neu erfunden, um ihn einfacher, sicherer und zuverlässiger als je zuvor zu machen. Wir haben die Ziele erreicht, die wir uns im Hinblick auf Optimierung und basierend auf Anwendererfahrung gesetzt hatten. Das fängt bei den leicht verständlichen, visuellen Installationsanweisungen an und geht bis hin zu fortschrittlichen Funktionen. Im Notfall erhält der Anwender nicht nur einen Alarmhinweis, sondern wird auch auf entsprechende Korrekturmaßnahmen hingewiesen.“

Während der Entwicklungsphase hat das F&E-Team bei Metso zudem seinen Konstruktionsprozess perfektioniert und das Lean-Prinzip zum neuen Standard im Bereich Forschung & Entwicklung gemacht.

WEITERE INFORMATIONEN:
kalle.suurpaa@metso.com


TEXT: Metso
FOTOS: Francois Perthuis und Metso

Veröffentlicht im Kundenmagazin „Results flow control“, 1/2016.