Okt 29, 2019 Der Zuschlagstoffindustrie Blog

Fünf Schritte zur Implementierung einer neuen Produktionslinie für Zuschlagstoffe

Georg Diem
Georg Diem
Senior Process Expert
Bei einer Brechanlage für Zuschlagstoffe können verschiedene Gründe für die Änderung des eigenen Produktangebots sprechen: Möglicherweise soll ein neuer lukrativerer Markt erschlossen werden oder ein wichtiger Kunde plant eine Produktänderung. In jedem Fall werden Anlagen meistens für den jahrzehntelangen Einsatz konzipiert, was die Anpassung an neue Marktentwicklungen erschweren kann, da sich ältere Ausrüstungen für flexible Umstellungen nicht immer eignen.
Bild aus dem Steinbruch von Lafitte

Um die Bedürfnisse eines Werks präzise ermitteln zu können, muss im Rahmen einer umfassenden Standortuntersuchung eine gründliche Bewertung der Betriebsabläufe, der Leistung, der Geschichte, der Ausgangsmaterialien sowie ein Abgleich des aktuellen mit dem zukünftigen Produkt erfolgen, um den Anpassungsbedarf zu ermitteln. Bleibt hier ein Problem unentdeckt, z. B. durch ein überholtes  Fließschema oder eine veraltete Ausrüstung, so kann es später – nach der Integration der neuen Lösung – zu weiteren Problemen kommen.

Im Folgenden habe ich die fünf wichtigsten Schritte zur Implementierung einer neuen Produktionslinie aus der Sicht von Metso dargestellt.

Schritt 1: Analyse des aktuellen Zustands des Brechprozesses

Das Standort-Audit ist der Schlüssel, um eine ganzheitliche Lösung zu finden, die sich nahtlos in die bestehende Infrastruktur des Standorts einfügt. Betrachtet werden die kalkulatorischen Anschaffungskosten im Hinblick auf die angestrebte Produktivität, die Minimierung von Ausfallzeiten und die Vermeidung von Störungen bestehender Prozesse. Unsere Lösungen müssen zudem flexibel genug sein, um mit möglichen zukünftigen Parameteränderungen umgehen zu können - diese zu ermitteln ist eine weitere Herausforderung für unser Auditverfahren.

Um das Risiko unangenehmer Überraschungen zu minimieren, erhalten wir einen umfassenden Einblick in den Werksbetrieb und untersuchen die möglichen Auswirkungen unserer Änderungsvorschläge auf die Gesamtleistung bzw. evaluieren, ob strukturelle Anpassung zu deren Unterstützung notwendig sind. Wir sprechen mit allen am Produktionsprozess Beteiligten, führen Labortests durch und berücksichtigen neben vielen anderen Faktoren auch die Topographie sowie den Materialfluss am Standort.

Schritt 2: Neues Konzept für das Zuschlagstoffwerk

Das neue Konzept für die Anlage basiert auf eben diesen Prüfungsergebnissen, da wir bei der Implementierung neuer Prozesse immer auch den aktuellen Werksaufbau zugrunde legen müssen. Somit gibt es bei der Aufrüstung eines bestehenden Betriebs viel mehr zu beachten als beim Bau einer völlig neuen Anlage, da die vorgeschlagenen Anpassungen beispielsweise auch die Berücksichtigung und Beseitigung vorhandener Flaschenhälse im Produktionsablauf mit einbezieht.

Schritt 3: Sicherung der bestehenden Brechoperationen für die Umsetzung

Im weiteren Verlauf müssen auch die Folgen aller vorzunehmenden Änderungen auf die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens berücksichtigt werden. Negative Auswirkungen auf den laufenden Betrieb sind bei weitem nicht ideal, müssen aber möglicherweise zumindest temporär in Kauf genommen werden, um langfristig konkurrenzfähig zu sein. Es sollte stets überprüft werden, ob zur Erreichung des eingangs gesteckten Ziels der Betrieb eines Werks komplett überholt werden muss oder eine Nebenproduktionslinie auch ohne größere Ablaufkonflikte eingebunden werden kann. Um hier einen geeigneten Kompromiss zu finden, müssen wir den Betrieb der Anlage unter Umständen bis zu einem Jahr lang beobachten, bevor ein zufriedenstellender Lösungsansatz formuliert werden kann.  Unabhängig von der benötigten Zeit für die Entscheidungsfindung arbeiten wir während der gesamten Dauer des Prozesses eng mit dem Kunden zusammen.

Schritt 4: Integration der neuen Zuschlagstoffproduktionslinie

Bei der Integration einer neuen Produktionslinie sind sowohl der Zeitpunkt als auch die Art und Weise der Umsetzung entscheidend. Da unsere Prüfungen nicht alle unerwarteten Herausforderungen und Unbekannten berücksichtigen können - etwa Probleme mit dem bestehenden Fundament oder den Maschinen - müssen wir trotz aller Planung stets flexibel bleiben. Ein weiterer, unberechenbarer Faktor ist die Jahreszeit, da wir möglicherweise mit Geräten arbeiten, die keinen extremen Temperaturen ausgesetzt werden dürfen.

Schritt 5: Inbetriebnahme des neuen Zuschlagstoffwerks

Sobald die neuen Maschinen und die neuen Prozesse eingeführt sind, müssen die Mitarbeiter der Anlage entsprechend geschult werden, da es sich im Wesentlichen um eine neue Anlage mit neuer Ausrüstung, neuen Verfahren und einem neuen Endprodukt handelt. Auch hier ist eine frühzeitige detaillierte Analyse von entscheidender Bedeutung: Wenn wir eine geeignete Simulation der Inbetriebnahme durchgeführt haben, wird sie schneller und reibungsloser verlaufen, weil die Realität mit unseren Vorhersagen korreliert.

Die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg ist in diesem Fall eine enge Zusammenarbeit – wenn sowohl Metso als auch der Kunde dies als eine Partnerschaft mit einem gemeinsamen Ziel betrachten, profitieren beide Seiten davon. Unsere Kunden entscheiden sich für eine Zusammenarbeit mit Metso, weil wir uns die Zeit nehmen, ihnen zuzuhören und ihre Abläufe kennen. Sie sind zuversichtlich, dass wir der Aufgabe gewachsen sind, weil sie unserer Expertise und der Gründlichkeit unserer Prüfung vertrauen. Selbst wenn ein Kunde uns lediglich mit der Durchführung eines Standort-Audits beauftragt, bekommt er ein Konzept, das er für die Errichtung eines intelligenteren Betriebs benötigt. Für mich ist dies der Punkt, an dem unsere SiteBooster™ Anlagenoptimierungslösung einen spürbaren Mehrwert bietet.

Brechsand

Aufgrund zunehmender Einschränkungen bei der Verwendung von Natursand in vielen Regionen, insbesondere in Asien, steigt die Nachfrage nach hergestelltem Sand oder Brechsand. Diese Nachfrage treibt die Werke dazu an, entweder völlig neue Produktionslinien für Brechsand zu integrieren oder die Qualität ihrer bestehenden Linien zu verbessern. Die Umwandlung von Abfallprodukten in hochwertig hergestellten Sand ist ein ideales Einsatzgebiet für SiteBooster™, da dessen Stärken genau darin liegen, einen bestehenden Betrieb so zeitnah und kosteneffizient wie möglich anzupassen.

Es gibt viele Hintergrundaspekte, die bei der Umwandlung von Brechsand in Industriesand unter Berücksichtigung der erforderlichen Qualität eine Rolle spielen. Dazu zählen der Fertigungsprozess selbst, die Herkunft des Sandes, seine Beschaffenheit sowie alle qualitätsrelevanten Entscheidungen, die wir notwendigerweise treffen müssen. Dabei kann es sich zum Beispiel um die Implementierung eines zusätzlichen Brechers, eines neuen Siebes oder einer neuen Waschanlage handeln.

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